Ab 2017 noch besser: die „neue“ Pflegeversicherung

Ab 2017 noch besser: die „neue“ Pflegeversicherung

Mit den Pflegestärkungsgesetzen I und II wird die größte Reform der Pflegeversicherung seit ihrer Einführung vor 20 Jahren verwirklicht. Noch individueller und umfassender wird sie ab Januar 2017. Dann werden Menschen mit körperlicher Pflegebedürftigkeit und solche mit eingeschränkter Alltagskompetenz (z. B. Demenz) endlich gleichgestellt.

Erreicht wird dies vor allem dadurch, dass aus drei Pflegestufen fünf Pflegegrade mit den entsprechenden Leistungen werden. Für Pflegebedürftige, die bis zum Jahresende 2016 Leistungen beziehen, sind weder erneute Anträge noch Begutachtungen erforderlich. Grundsätzlich wird kein Berechtigter nach der Umstellung niedrigere Ansprüche haben. Ein Wermutstropfen: Gleichzeitig steigt der Beitragssatz von 2,35 % um 0,2 auf 2,55 % (+ 0,25 % für Kinderlose).

Aus drei werden fünf

Aus den bisherigen drei Pflegestufen werden fünf Pflegegrade. Sie reichen von geringen über erhebliche bis zu schweren und schwersten Beeinträchtigungen. Neben der Mobilität werden auch kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Umfang der Selbstversorgung, Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen und die Gestaltung des Alltagslebens bewertet.

Schon bisher Pflegebedürftige kommen ohne besonderen Antrag jeweils in den nächsthöheren Pflegegrad; Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (z. B. Demenz) rücken sogar zwei Stufen vor. Aus der Übersicht zu „Pflegegeld“ und „Pflegesachleistung“ wird dies deutlich; dort sind auch die verbesserten Leistungen dargestellt.

Pflegegeld und Pflegesachleistung bis 31.12.2016 (in Euro)

Pflegestufe Pflegegeld Pflegesachleistung
0*/I 123/244 231/468
I*/II 316/458 689/1.144
II*/III 545/728 1.298/1.612
III*/Härtefall 728/728 1.612/1.995

Pflegegeld und Pflegesachleistung ab 1.1.2017 (in Euro)

Pflegegrad ** Pflegegeld Pflegesachleistung
2 316 689
3 545 1.298
4 728 1.612
5 901 1.995

* = mit Demenz
** Erläuterung zu Pflegegrad 1 s. u.
Erläuterungen: Pflegesachleistungen erbringen Pflegekräfte / Pflegegeld wird gezahlt, wenn die Pflege selbst sichergestellt wird (eine Kombination ist möglich).

Leistungen auch bei Pflegegrad 1

Grundsätzlich sind Leistungen für die Pflegegrade 2 bis 5 vorgesehen. Personen mit Pflegegrad 1 („geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“) sollen möglichst lange in der gewohnten häuslichen Umgebung verbleiben können.

Neben Pflegeberatung und Pflegekursen für Betreuende sowie Leistungen zur medizinischen Rehabilitation sind insbesondere vorgesehen: Leistungen für ambulant betreute Wohngruppen, Pflegehilfsmittel, Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes und ein Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro. Viele Menschen werden dadurch erstmals Leistungen erhalten.

Teuer: Vollstationäre Pflege

Pflegebedürftige in Pflegeheimen haben Anspruch auf Leistungen für Aufwendungen der Pflege und Betreuung sowie der medizinischen Behandlungspflege.

Pauschalen für vollstationäre Pflege ab Januar 2017

Pflegegrad Euro mtl.
2 770
3 1.262
4 1.775
5 2.005

Bisher zu wenig genutzt: Unterstützungs-/Entlastungsangebote

Pflegende Angehörige nutzen noch viel zu selten die zusätzlichen Entlastungsangebote, wie z. B. die Tages-/Nachtpflege, die Verhinderungs- bzw. Kurzzeitpflege. Dabei ist auch eine Kombination verschiedener Leistungen möglich. Sie sollen insbesondere die häusliche Versorgung unterstützen und sicherstellen. Bei der Vielfalt dieser und weiterer Leistungen ist eine persönliche Beratung durch die Pflegekasse bei unserer BKK Freudenberg sehr hilfreich.

Soziale Sicherung verbessert

Pflegepersonen, die einen oder mehrere Personen (ab Pflegegrad 2) wenigstens zehn Stunden (bisher 14 Stunden) wöchentlich pflegen, sind in der Rentenversicherung wesentlich besser als bisher versichert. Für bestimmte Personengruppen besteht zudem Versicherungsschutz im Bereich der Arbeitslosenversicherung.

Weitere Auskunft und Beratung erhalten Sie auch hier:

Bundesministerium für Gesundheit

Telefon: 030 340 6066-02
www.pflegestärkungsgesetz.de