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Kinder: Unfallfrei im Haushalt

Kinder: Unfallfrei im Haushalt


Kinder sind lebendig, neugierig, impulsiv, manchmal übermütig und vor allem kennen sie ihre Grenzen noch nicht. Sie springen und klettern, toben und spielen, erforschen und untersuchen ihre Umwelt. Doch schnell ist es passiert: Ein Sturz, ein Stoß, ein Schnitt. Jährlich verunglücken in Deutschland rund 1,7 Millionen Kinder. Die meisten Unfälle die so schwer sind, dass ein Arzt aufgesucht werden muss, passieren vor al-lem bei Kindern unter 15 Jahren. Etwa 540.000 dieser Unfälle ereignen sich zu Hause oder in der Freizeit und gehören zu den höchsten Gesundheitsrisiken von Kindern. Bei jüngeren Kindern spielen häusliche Unfälle eine zentrale Rolle: 60 Prozent der Kleinkinder verletzen sich daheim. Vergiftungen und Verbrennungen sind typische Unfälle im Kleinkindalter, im Schulalter dominieren die Knochenbrüche unter den schweren Verletzungen. 12 Prozent dieser Kinder müssen im Krankenhaus aufge-nommen werden, wobei ein- bis Vierjährige die höchste stationäre Behandlungsrate haben (Robert Koch Suvery 2008). Jungen sind in allen Altersstufen und in allen Ka-tegorien häufiger von Unfällen betroffen als Mädchen (etwa 60:40). Nummer 1 der Unfallorte ist das Kinderzimmer, gefolgt von der Küche und der Treppe. Experten ge-hen davon aus, dass immerhin 60 Prozent dieser Unfälle durch vorbeugende Maß-nahmen vermieden werden können.

Vermeiden von Stürzen – Sicherheit für den Hausgebrauch
Über 50 Prozent aller Unfälle sind auf Stürze zurückführen (davon 32 Prozent: Sturz aus der Höhe, 20 Prozent: Sturz auf gleicher Ebene). Verantwortlich dafür sind in ers-ter Linie Hast, schlechte Bodenbeschaffenheit, Nässe und falsches Schuhwerk, die zu Stolpern und Ausrutschen führen. Doch auch Überforderung, Ablenkung und insbe-sondere Aufsichtsfehler der Betreuungspersonen sind mögliche Unfallursachen.
•    So stürzen Säuglinge vom Wickeltisch,
•    Kinder bis zu 6 Jahren stürzen im Kinderzimmer aus der Höhe (Etagenbett, Stuhl, Sessel),
•    Kinder bis zu 6 Jahren kippen mit Möbelstücken um, weil sie auf ihnen herauf-klettern bzw. sie als Turngeräte benutzen,
•    Stürze als Ergebnis von Stolpern, z. B. über Spielsachen, Stromleitungen,
•    Im schlimmsten Fall stürzen Kinder aus dem Fenster oder vom Balkon.
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen sind: Beim Wickeln immer eine Hand am Kind, wenn man sich entfernt, sollte man das Kind mitnehmen oder auf den Boden legen.
Lassen Sie Ihre Kinder niemals bei offenem Fenster oder auf dem Balkon unbeauf-sichtigt, vermeiden Sie, dass ein Stuhl oder eine andere Steigehilfe vor dem Fenster oder Balkongeländer steht. Am besten ist, wenn Sie Fenster und Türen mit Sicher-heitsriegeln sichern und sich selbst als Vorbild nicht auf die Fensterbank oder das Balkongeländer setzen.

Vermeidung von Verbrennungen und Verätzungen – Sicherheit in der Küche
Kleinkinder sind besonders häufig von Brandverletzungen betroffen. Jedes Jahr müs-sen mehr als 30.000 Kinder unter 15 Jahren mit thermischen Verletzungen ärztlich versorgt werden. Besonders alarmierend ist, dass mehr als drei Viertel aller schwer verletzten Kinder jünger als fünf Jahre sind. Außerdem müssen sie mit Verbrennun-gen und Verbrühungen besonders lange im Krankenhaus bleiben: Ein- bis Vierjährige im Durchschnitt sechs Tage. Vor allem Kleinkinder sind gefährdet, sich zu verbrennen oder zu verbrühen. Ursachen dafür sind:
•    sie beginnen sich hochzuziehen; ziehen an Kabeln; Tischdecken oder Töpfen; herunterreißen von heißen Gegenständen oder Flüssigkeiten; Anfassen von heißen Flächen,
•    Kinder sind unbeaufsichtigt mit Kerzen, offenem Feuer oder heißen Flüssigkei-ten,
•    gefährliche Elektrogeräte wie Wasserkocher, Fritteuse, Samowar für die Kinder leicht erreichbar sind und
•    wenn die dunklen Verbindungslöcher von Steckdosen in Spiel- und Krabbelhö-he angebracht sind.

Dabei sind Unfälle dieser Art zu einem großen Teil vermeidbar!
Es ist wichtig, dass Kinder sich nicht alleine in der Küche aufhalten und nicht am Herd oder Ofen spielen dürfen. Es sollten vor allem die hinteren Herdplatten zum Kochen benutzt werden und Pfannen- und Topfgriffe immer so gedreht werden, dass ein Kind sie nicht erreichen kann. Hilfreich ist auch, ein Herdschutzgitter anzubrin-gen und die Kinder über die Gefahren aufzuklären.
Um schwerwiegende Stromunfälle zu vermeiden, sollten Sie darauf achten, dass die Steckdosen gesichert sind, elektrische Geräte außerhalb der Reichweite der Kinder aufbewahrt werden, Kabel nicht herunterhängen und zum Herunterreißen animie-ren. Ziehen Sie nach dem Gebrauch eines Elektrogerätes den Stecker.
Hat sich Ihr Kind verbrannt oder verätzt, bekommen Sie bei dem Verein Paulinchen e. V. eine umfassende Beratung und Begleitung. Zu erreichen ist der Verein unter: www.paulinchen.de.



Vermeidung von Unfällen am Tisch – Sicherheit in Essecken und auf Stühlen
Ein wichtiges Ritual bei Kindern ist das gemeinsame Essen. Doch auf dem Tisch ste-hen interessante Gegenstände, die gut duften und dampfen. Wenn Kinder neben dem Tisch stehen, können sie nicht überblicken, was sich alles darauf befindet und zwangsläufig wird die Neugierde geweckt. Um Verletzungen am Tisch zu vermeiden, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kind immer beaufsichtigt ist, dass Sie auf eine Tischdecke verzichten, die reizt, daran zu ziehen. Keine Heißgetränke an die Tisch-kante stellen. Lassen Sie Alkohol, Zigaretten, Streichhölzer und spitze, scharfe Ge-genstände nicht offen liegen und verwenden Sie möglichst breite, kippsichere Kerzen. Und achten Sie bei dem Kauf von Kinderstühlen darauf, dass sie nicht wackeln.

Erste Hilfe bei Unfällen im Haushalt – Experten raten
•    Sofortmaßnahmen bei Schnitt- und Schürfverletzungen:
Bevor ein Pflaster die Wunde abdeckt, sollte sie erst ausbluten. Mit dem Blut werden Verunreinigungen und Krankheitserreger aus der Wunde ausge-schwemmt. Bei größeren Verletzungen, die stark bluten, sollte ein Druckver-band angelegt werden, um die Blutung zu stoppen. Später sollten die Wund-ränder mit einem Antiseptikum (z. B. Jod) desinfiziert werden. Bei größeren Verletzungen das Pflaster quer zur Wunde kleben, um das Zusammenwachsen der Hautränder zu unterstützen. Große und tiefe Schnittwunden müssen vom Arzt genäht oder geklammert werden.
•    Sofortmaßnahmen bei verbrühten oder verbrannten Körperteilen:
Halten Sie die betroffenen Stellen unter laufendes Kaltwasser. Ziehen Sie die Kleider nicht aus, sondern halten Sie eine kalte Brause zwischen Kleidung und Haut. Die Abkühlung sollte 10 bis 15 Minuten dauern. Bei kleineren Verbren-nungen halten Sie die Kühlung so lange aufrecht, bis der Schmerz abgeklun-gen ist. Verwenden Sie keinen Puder oder Salbe, dies erschwert später dem Arzt die Behandlung. Am besten ist es, nach der Kaltwasserbehandlung die Haut mit sterilem Verbandsmaterial abzudecken. Alle weiteren Maßnahmen sollten Sie dem Arzt vorbehalten.
•    Sofortmaßnahmen bei Verätzungen:
Lassen Sie das Kind viel Wasser trinken. Wirken Sie beruhigend auf das Kind ein und lösen Sie kein Erbrechen aus. Geben Sie dem Kind kein Salzwasser und keine Milch.